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Geschlechtergerechtigkeit im Landesjugendring NRW

Fotos: Kampagne anders und gleich NRW / www.andersundgleich-nrw.de

 

1. Gendergerechte Schreibweise

Der Landesjugendring NRW verwendet den Gendergap/Unterstrich als gendergerechte Schreibweise, um darauf aufmerksam zu machen, dass es neben der angenommenen biologischen und sozialen Zweigeschlechtigkeit (m/w) weitere diverse Identitäten gibt.

Gender Gap und geschlechtsneutrale Formulierung – die Schreibweisen  in der Praxis:
Beide Formulierungen beziehen sich in erster Linie auf Personen oder Funktionen, Berufe etc., die Menschen betreffen. Formulierungen wie „das rasenmähende Gerät“ oder „der_die Rasenmäher_in“ brauchen wir nicht und verspotten den eigentlichen Gedanken einer gendergerechten Sprache.
 Geschlechtsneutrale Formulierungen:
•    Das stimmberechtigte Mitglied anstatt der/die Stimmberechtigte
•    Teilnehmende oder teilnehmende Person anstatt die/der Teilnehmerin/Teilnehmer

Hilfestellung: http://geschicktgendern.de/

Gender-Gap:
Es gibt (noch) kein festes Regelsystem für die Schreibweise mit dem Gender-Gap, sondern die Entwicklung der Sprache befindet sich im Entwicklungsprozess. In der AG Geschlechtergerechtigkeit haben wir folgende Schreibweisen als Empfehlung formuliert:

Ansprache, vor allem wenn wir die Identität nicht kennen:

  • Liebe Kolleg_innen; die Mitarbeiter_innen;
  • Liebe_r Feridun Müller


Die Reihenfolge der Artikel orientiert sich am Wortstamm:

  • Der_die Geschäftsführer_in wird gewählt  (die Reihenfolge Artikel orientiert sich am Wortstamm)
  • Die Vollversammlung bestätigt die Wahl des_der Geschäftsführer_in, oder die Wahl des_der Geschäftsführer_in ist in der Satzung geregelt.
  • Jede_r, die_der sich dafür interessiert
  • Sie_er steht in Beziehungen zu verschiedenen Personen


Wir gehen nicht von homegenen Geschlechtergruppen aus:

  • Auf der Ferienfreizeit gibt es koedukative Angebote für Mädchen_ und Jungen_
  • Sehr geehrte Damen_ und Herren_


Dies setzt der Landesjugendring NRW in allen Veröffentlichungen sowie im Schriftverkehr konsequent um. Ausnahme: Persönliche Ansprachen einer Person in Mails, Briefen etc. dürfen abweichen, wenn bekannt ist, dass die angesprochene Person sich selbst als weiblich oder männlich bezeichnet.
Beispiel: „Sehr geehrte Frau Müller,
im Landesjugendring finden sich Vertreter_innen vielfältiger Verbände…“
Liegt bei der Anrede keine klare Kenntnis über die Identität vor, wird der Gendergap verwendet, z.B. „Sehr geehrte_r Frau_Herr Müller“ oder „sehr geehrte_r Lisa Müller“

 

2. Hintergrund

Es gibt Menschen, deren Identität weder weiblich noch männlich ist. Unsere Alltagssprache impliziert jedoch, dass es lediglich zwei biologische oder soziale Geschlechter gibt. Durch gendergerechte Sprache wird dieses Bild in Frage gestellt und erlaubt es, auch diverse sexuelle Identitäten zu berücksichtigen.

Ein Unterstrich zwischen maskuliner und femininer Endung eines Wortes ist der Versuch, alle sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten auch jenseits von Mann und Frau sprachlich darzustellen.

Identitäten jenseits von Mann und Frau:

Intersexualität:
Als intersexuell werden Menschen bezeichnet, die genetisch, anatomisch oder hormonell nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugeordnet werden können, beispielsweise weil sie mit körperlichen Merkmalen beider Geschlechter zur Welt kommen.
Transidentität: beschreibt ein Phänomen, bei dem sich Menschen nicht mit ihren körperlichen Geschlechtsmerkmalen und den ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Oft empfinden sie ihren Körper und ihre soziale Rolle als nicht stimmig. Dies kann dazu führen, dass ihnen die Veränderung ihres Körpers ein starkes Bedürfnis ist (Hormone, geschlechtsangleichende Operationen).

Transgender: Menschen, die sich mit der Geschlechterrolle, die ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, nur unzureichend oder gar nicht beschrieben fühlen.

  • Transfrau: Menschen, die sich nicht mit ihrem männlichen Körper und Geschlechtseintrag in die Geburtsurkunde identifizieren und sich als Frau bezeichnen.
  • Transmann: Menschen, die sich nicht mit ihrem weiblichen Körper und Geschlechtseintrag in die Geburtsurkunde identifizieren und sich als Mann bezeichnen.

Queer*: wird als Begriff für Menschen verwendet, die von der heteronormativen Ordnung abweichen (wollen). Irrtümlicherweise wird queer nur als Synonym für Schwule und Lesben verwendet, es umfasst jedoch mehr.