Arbeitsfelder

Weiterbildung Ehrenamt

© Landesjugendring NRW

Projekte gezielt für junge Geflüchtete anzubieten - das ist für die Jugendverbandsarbeit eine neue Herausforderung. Was Jugendverbandsarbeit dagegen schon immer gut kann: Wissen zwischen den Ehrenamtlichen weitergeben, zum Beispiel mit JuLeiCa Ausbildungen und Workshops für Aktive im Verband.
Ein wichtiger Baustein in der Jugendverbandsarbeit mit Geflüchteten ist deswegen die Fort-, Aus- und Weiterbildung der Ehrenamtlichen - mit neuen Themen und bewährten Methoden.
Auf diese Weise sollen einerseits Ehrenamtliche möglichst gut bei der Umsetzung von Projekten mit jungen Geflüchteten unterstützt werden. Andererseits können junge Geflüchtete selbst in diesen Prozess eingebunden und im Idealfall selbst als Ehrenamtliche im Jugendverband aktiv werden.

Worum geht es hier?
Der LandesMusikVerband NRW bietet spezielle Workshops für knapp 100 Ehrenamtliche an, in denen sie Rahmenbedingungen und Strategien für Projekte mit Geflüchteten kennenlernen.
Die BUNDjugend NRW bildet in der “Multischulung Flucht” Geflüchtete und Nicht-Geflüchtete dazu aus, selbst Workshops zu den Themen Flucht, Migration, Antirassismus und Umwelt zu geben.
Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend NRW (BDKJ NRW) hat eine Web-App für Ehrenamtliche entwickelt, die mit jungen Geflüchteten arbeiten: http://app.bdkj-nrw.de

Was gibt es für Aktionen?
In einer Wochenendveranstaltung schult der LandesMusikVerband NRW Ehrenamtliche, die mit jungen Geflüchteten arbeiten. Hier gibt es Raum für rechtliche Fragen und für Ideen, wie die eigenen Angebote für Geflüchtete geöffnet werden können.
Die “Multischulung Flucht” der BUNDjugend NRW läuft über ein Jahr und umfasst sieben thematische Module, die jeweils mehrere Tage dauern. So entwickeln die 22 Teilnehmenden zunächst eine gemeinsame Haltung, mit der sie die eigenen Projekte leiten wollen (Modul 1). In einer fünftägigen Veranstaltung reflektieren sie ihre eigene Erziehung und Bildung und entwickeln daraus eine eigene Lernkultur für die Schulung. Außerdem beschäftigen sie sich damit, welche Mechanismen und Stereotypen zu Rassismus führen (Modul 2). Thematisch greift die Multischulung Fluchtursachen auf, wie z.B. Krieg, Klimawandel oder die Folgen von EU-Landwirtschaftspolitik, aber auch Asylpolitik (Modul 3). Die Ausbildung umfasst darüber hinaus eine Praxisphase, in der die Teilnehmenden Methoden kennenlernen (Modul 4), eigene Workshops entwickeln und umsetzen (Modul 5) und erste Erfahrungen mit individuellen Schwierigkeiten und Herausforderungen reflektieren (Modul 6). Die Schulung endet mit einem Workshoptag (Modul 7), an dem die Teilnehmenden Freiwillige außerhalb der Gruppe zu selbst gestalteten Workshops einladen.

Auf gestärkten Schultern lässt sich das Ehrenamt leichter tragen

Aus den Erfahrungen der ersten Schulung 2016 zeigt sich, dass die Multischulung nicht nur ein langfristiges Projekt ist, sondern auch langfristig Wirkung zeigt. Die Teilnehmenden bleiben zum Großteil im Jugendverband aktiv und besuchen auch weitere Veranstaltungen des Verbandes. In der ersten Hälfte des Jahres 2017 wurden bereits mehr als zehn Workshops durch Teilnehmende der Schulung geleitet, z.B. in Schulen.

Die App “Zusammenwachsen” vom BDKJ NRW bündelt das Know-how des Verbandes zur Arbeit mit jungen Geflüchteten. Interessierte können dort Materialien und Unterlagen downloaden. Ein Veranstaltungskalender zeigt sowohl aktuelle verbandsinterne Termine zum Thema an (beispielsweise Schulungen) als auch interessante Veranstaltungen, die nicht vom Verband organisiert sind. Darüber hinaus werden „gute Beispiele“ aus der Verbandsarbeit vorgestellt.

Besonders gut klappt hier
Der LandesMusikVerband NRW kann konkret auf die individuellen Bedürfnisse der Ehrenamtlichen eingehen. Sie können von eigenen Erfahrungen berichten und bekommen direktes Feedback, welche Strategien sie zukünftig in ähnlichen Situationen anwenden können. Es ist auch wichtig, dass die Ehrenamtlichen aus den verschiedenen Projekten ein Wochenende lang zusammen in einer Tagungsstätte sind und nicht in der eigenen Stadt. Auf diese Weise kommt niemand später oder muss früher gehen – das wirkt sich positiv aufs Arbeitsklima aus.
Die “Multischulung Flucht” der BUNDjugend NRW funktioniert besonders gut durch die Gruppendynamik. Zusammenhalt entsteht beispielsweise beim gemeinsamen Kochen während der Module und auch durch den Kontakt außerhalb der gemeinsamen Aktionen, z.B. in einer WhatsApp-Gruppe.
Die Ausbildung ist auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden zugeschnitten. So gibt es beim Anti-Rassismus-Training beispielsweise zwei Gruppen: Während die 14 Geflüchteten im Empowerment-Training lernen, mit Rassismus umzugehen, reflektieren die Nicht-Geflüchteten im Critical-Whiteness-Training, welche Privilegien ihnen – bewusst oder unbewusst – zu Teil werden. Auf diese Weise können die Ehrenamtlichen selbstbewusster und reflektierter ihre eigenen Workshops leiten.
Den Aktiven aus dem BDKJ NRW hilft die Web-App durch die bereitgestellten Materialien und Veranstaltungshinweise. Das im Verband vorhandene Wissen ist damit schnell und jederzeit abrufbar. Durch Push- Benachrichtigungen werden Interessierte über neue Termine und Informationen in der App informiert und bleiben so auf dem Laufenden.

Gelingensfaktoren

  • Zugeschnittene Angebote innerhalb der Fortbildung
  • Individuelle und konkrete Unterstützung in laufenden Projekten
  • Förderung von Gemeinschaft und Freundschaften auch über die Projektinhalte hinaus
  • Aktive und nachhaltige Einbindung in den Landesverband
  • Schneller und einfacher Zugang zu Wissen im Verband

Das klappt hier nicht so gut
Für den LandesMusikVerband NRW steht die Frage im Vordergrund, wie Geflüchtete in Angebote integriert werden können. Vor allem Jungen nehmen hier die Angebote in den Vereinen wahr, sie werden aber fast immer von Frauen_ betreut. Die weiblichen Betreuenden beschreiben es mitunter als Herausforderung, sich hier durchzusetzen.
Ein weiteres Problem ist die Wohnsituation der Kinder und Jugendlichen: 2016 mussten Projekte kurzfristig abgesagt werden, weil die teilnehmenden Geflüchteten von der Sammelstelle in eine andere Unterkunft umgezogen waren.

Bei der BUNDjugend NRW wurde das Thema Rassismus während der Schulung auch sehr konkret in der Gruppe benannt: Die Geflüchteten hatten den Eindruck, sie würden häufig auf Kochen und kulturelle Tänze reduziert. Im Rahmen des Moduls zum Thema konnte die Gruppe dies gemeinsam reflektieren.
Ein Problem, das viele Projekte betrifft, sind teils kurzfristige Absagen der Teilnehmenden, was oft an schwierigen Lebenssituationen liegt. Bei den geflüchteten Ehrenamtlichen ergeben sich aus dem ungeklärten Aufenthaltsstatus Schwierigkeiten, bei den Einheimischen sind es Ausbildungs- und Arbeitsstellen, die Priorität vor ehrenamtlichem Engagement haben.

Stolpersteine

  • Niedriger Anteil an Mädchen und jungen Frauen
  • Rassistische Klischees
  • Fordernde und unsichere Lebenssituation der Teilnehmenden

Jugendverbands-arbeit mit jungen Geflüchteten 2016 - 2017