Arbeitsfelder

Spiel und Sport

© Landesjugendring NRW Völkner / FOX

Sport verbindet und bedarf keiner großen Erklärungen – Fußball verstehen fast alle und auch Hüpfburgen und Seilspringen brauchen keine Übersetzung. Gute Voraussetzungen für niedrigschwellige Angebote also.
Der Aufbau persönlicher Kontakte fällt im Sport auch leichter, weil es ein gemeinsames Ziel gibt: Spaß haben. Der Teamgeist ist größer als die Unterschiede in der Herkunft oder Sprachbarrieren.

Worum geht es hier?
Das Landesjugendwerk der AWO OWL lädt zum Hallenfußballturnier ein und fährt mit einem Spielmobil zu einem Jugendtreff, der DPSG Diözesanverband Essen bietet Gruppenstunden in einer Unterkunft an. Bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend Hagen (AEJ-NRW) gibt es sportliche Turniere und Freizeitangebote im zentral gelegenen Jugendzentrum.
Der Verein Suryoye Ruhrgebiet (angegliedert an die djo-Deutsche Jugend in Europa, djoNRW) organisiert ein Fußballturnier für Geflüchtete.
Und im Zirkusprojekt der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in NRW (AEJ-NRW) im Kirchenkreis Hattingen-Witten sind geflüchtete Kinder und Jugendliche eingeladen, zusammen mit Einheimischen akrobatische Kunststücke einzuüben - das klappt auch ohne viele Worte.

Was gibt es für Aktionen?
Das Landesjugendwerk der AWO NRW hat ein “Spielmobil” mit Spielgeräten und einer großen Rutsche, das jede Woche zu einem Jugendtreff in Bielefeld fährt. Außerdem gab es im Winter ein Hallenfußballturnier.
Jede Woche kommen zwei Pfadfinder_innen des DPSG Diözesanverbandes Essen  in eine Unterkunft für Geflüchtete in Essen und bieten dort Gruppenspiele mit geflüchteten Kindern an.
Suryoye Ruhrgebiet mietet einen Fußballplatz in Oberhausen und richtet ein Fußballturnier mit anschließendem Grillen aus.
Im integrativen Zirkusprojekt der AEJ-NRW im Kirchenkreis Hattingen-Witten sind geflüchtete und einheimische Kinder mit und ohne Behinderung eingeladen.

“Zirkus ist für jeden, weil es diesen Aufforderungscharakter hat, es ist vielfältig, nicht an Sprache gebunden, es funktioniert über das gemeinsame Erleben. Man muss sich was trauen, wird aber dabei begleitet.”
Meike Krüger, Zirkuspädagogin

Bei der Arbeitsgemeinschaft der EvangelischenJugend Hagen-Halden (AEJ-NRW) gibt es zwei bis vier Mal im Monat Ausflüge in den Kletterwald oder Platz zum Fußballspielen, es gibt Kicker-Turniere und einen Billardtisch im zentral gelegenen Jugendzentrum.

Besonders gut klappt hier
Dominik Wurm, Referent beim Landesjugendwerk der AWO OWL, erklärt, dass das Spielmobil aus zwei einfachen Gründen so gut angenommen wird. Erst mal ist das Angebot auf die Kinder zugeschnitten. Und: “Sie sehen direkt, dass wir da sind, dass es uns gibt.” Das Spielmobil kommt nämlich dorthin, wo die Kinder sind – zu einem Jugendtreff in Bielefeld. Der liegt in einem großen Wohngebiet und ist viel zu klein für die vielen Kinder, die dort leben und beschäftigt werden wollen.
Das Hallenfußballturnier des Landesjugendwerks der AWO OWL wurde im Vorfeld intensiv geplant. Der Rest kam dann fast von selbst, weil fast alle die Fußballregeln kannten. Das Turnier wurde auch gut angenommen, weil es im Winter stattfand, als es nicht viel anderes zu tun gab. Spielerisch wurde so nicht nur Freizeit aktiv gestaltet, sondern auch “Fair Play” vermittelt.
Ungefähr 20 Kinder kommen zu den Gruppenstunden des DPSG Diözesanverbandes Essen  in einer Unterkunft. Sie sind zwischen fünf und elf Jahren alt, zur Hälfte Mädchen und Jungen und spielen in diesem Rahmen eine Stunde in der Woche zusammen. Der Kontakt funktioniert deswegen besonders gut, weil eine der Leiterinnen der DPSG selbst in der Unterkunft gearbeitet hat.

„Bei Fußball kommen alle und wollen spielen. Das ist wie ein Magnet.“
Petrus Atalay, Vorsitzender von
Suryoye Ruhrgebiet

Beim Fußballturnier von Suryoye Ruhrgebiet haben zehn Mannschaften teilgenommen – viel mehr, als die Organisator_innen angenommen hatten. Ursprünglich sollte das Turnier der Fußballmannschaft des Vereins die Möglichkeit geben, einmal gegen andere Teams zu spielen. Durch die Werbung der Geflüchteten untereinander kamen schließlich Mannschaften aus Duisburg, Essen und Gelsenkirchen zum Turnier – und blieben auch zum anschließenden Grillen. Das Turnier war also nicht nur eine Gelegenheit zum sportlichen Wettstreit, sondern auch zum Austausch. Für den Verein war das eine gute Gelegenheit, sich zu präsentieren, da es für viele der Teilnehmenden der erste Kontakt zu Suryoye war.Bei der AEJ-NRW in Hagen-Halden gab es die große Herausforderung, dass das Jugendzentrum nur auf 30 Kinder und Jugendliche ausgelegt ist – plötzlich kamen aber 100. Dass trotzdem ein gutes Angebot gemacht werden konnte, lag an der großen Unterstützung in der Bevölkerung. Das Jugendzentrum ist zentral gelegen und Halden ein kleiner Ort. Es sprach sich schnell rum, dass es Spaß macht, zu unterstützen und so kamen ständig neue Ehrenamtliche, die sich gerne eingebracht haben. Außerdem liegt das Jugendzentrum nah an der Unterkunft der Kinder und Jugendlichen, sodass ein enger Kontakt entstehen konnte.

 

Gelingensfaktoren:

  • Honorarkräfte (im Falle des Spielmobils)
  • Angebot unmittelbar dort, wo die Nachfrage ist
  • Sport als Universalsprache
  • Turniere als Netzwerkmöglichkeit
  • Fairer Umgang als Spielgrundlage und als Basis für das Miteinander
  • Guter Kontakt zur Einrichtung
  • Große Unterstützung in der Nachbarschaft

Das klappt hier nicht so gut
Beim Hallenfußballturnier des Landesjugendwerks der AWO gab es mitunter verschiedene Vorstellungen von Fair Play und ein Aufeinandertreffen unterschiedlicher Temperamente. Einige Mitspieler_innen kritisierten die Schiedsrichter_innen. Ein Angebot zum Fußballgolf war schwierig zu planen, weil verbindliche Anmeldungen fehlten.
Der DPSG Diözesanverband Essen  musste die Erfahrung machen, dass es schwierig ist, Jugendliche anzusprechen. Es ist nicht klar, ob das an den Angeboten selbst oder einer altersbedingten “Null-Bock-Einstellung” liegt. Bei geplanten Ausflügen war es zudem schwierig, von der Stadt benötigte Informationen, beispielsweise über Ausnahmen zur Residenzpflicht, zu bekommen.
Suryoye Ruhrgebiet hätte das Turnier gerne in Duisburg gespielt. Die Mieten für einen Sportplatz waren aber zu hoch und so musste der Verein in die Nachbarstadt Oberhausen ausweichen.
Beim Zirkusprojekt der AEJ-NRW im Kirchenkreis Hattingen-Witten blieben geflüchtete Kinder aus. Dann fiel auf, dass die Werbeflyer Kinder in knapper Zirkuskleidung zeigten und möglicherweise die Eltern verunsichert hatten. Außerdem gab es anfangs einen Kursbeitrag, der offenbar zu hoch für die geflüchteten Kinder war. Jetzt hat man andere Finanzierungswege gefunden.

Stolpersteine

  • Unterschiedliche Vorstellungen von Fair Play
  • Unverbindliche Anmeldungen
  • Schwierige Ansprache von Jugendlichen
  • Schwierige Absprachen mit Behörden
  • Werbeflyer mit leicht bekleideten Kindern
  • Zu hoher Selbstkostenanteil

Jugendverbands-arbeit mit jungen Geflüchteten 2016 - 2017