Arbeitsfelder

Musik, Kunst und Kultur

© Landesjugendring NRW Völkner/FOX

Musik machen, gemeinsam töpfern, werkeln und Theaterspielen – all diese Dinge funktionieren miteinander, obwohl man sich noch nicht gut kennt und nicht dieselbe Sprache spricht. Sich in Kunst auszudrücken heißt auch, keine richtige oder falsche Antwort geben zu müssen, sondern dem eigenen künstlerischen Drang zu folgen. Außerdem können sich Kinder und Jugendliche mit künstlerischen Mitteln anders mitteilen: Kunst ist auch eine Möglichkeit, auszudrücken, was in der fremden Sprache noch nicht gesagt werden kann.

Worum geht es hier? 
Das “Haus der Kulturen” ist eine offene Werkstatt mit Atelier vom Jugendverband der Gemeinschaft Christlichen Lebens (J-GCL) Aachen, der zum Bund der Deutschen Katholischen Jugend NRW (BDKJ NRW) gehört. Ganz in der Nähe ist eine Erstaufnahmestelle – da kamen die Kinder nach anfänglicher Werbung in der Unterkunft bald auch von selbst.
Die djo-Deutsche Jugend in Europa NRW, LV NRW (djoNRW) stärkt das Selbstbewusstsein von geflüchteten Kindern mit ihrem Theaterprojekt “Verlorene Kindheit”. Die Gruppe ist für die Kinder ein Ort, an dem sie sich ausprobieren können und ohne Leistungsdruck wertgeschätzt werden.

 Bei “Rap & Hip-Hop mit Geflüchteten” machen Jugendliche aus einer Clearing-Stelle in Bielefeld zusammen Musik. Das Landesjugendwerk der AWO NRW (LJW NRW) gibt ihnen Platz, um sich kreativ in Musik und Sprache auszudrücken und vermittelt musikalische Fähigkeiten.

Was gibt es für Aktionen?
Das “Haus der Kulturen” vom J-GCL Aachen ist offene Werkstatt und Atelier zugleich. Einmal in der Woche gibt es hier Platz für Kinder und ihre Kunst: Es wird nach Lust und Laune der Kinder zum Theater, zur Werkelecke mit Ton oder Holz, zum Atelier mit Malen und Zeichnen oder zur Nähwerkstatt.
Im Projekt “Verlorene Kindheit” der djo-Deutsche Jugend in Europa NRW (djoNRW) spielen Geflüchtete im Grundschulalter Theater, angegliedert an ein Jugendzentrum und in Kooperation mit einer nahe gelegenen Grundschule. Über das Theaterspielen auf Deutsch werden die Kinder auch sicherer in der deutschen Sprache.
Das Landesjugendwerk der AWO NRW bietet Workshops zu Rap & Hip-Hop für Geflüchtete an, die eigene Songs schreiben. Es gibt auch das Angebot, diese Songs aufzunehmen und in Konzerten zu präsentieren.

Besonders gut klappt hier
Das “Haus der Kulturen” steht ganz in der Nähe einer Erstaufnahmestelle. Schnell hat das Team die Türen auch gezielt für die geflüchteten Kinder und Jugendlichen geöffnet. Deswegen ist der Kontakt mit den geflüchteten Kindern sehr eng und es braucht keine gezielte Werbung mehr. Außerdem ist der J-GCL Aachen sowieso sehr musisch und kulturell aktiv und es gibt wenige Hürden zum Mitmachen.
Die beiden Theaterpädagoginnen im Projekt “Verlorene Kindheit” sind durch ihre Profession für die Arbeit mit den Kindern gut ausgebildet. Ziel ihres Projektes ist es, Kinder spielerisch mit dem Theaterspielen in Berührung zu bringen. Es gibt auch Aufführungen, aber keinen Zwang, Stücke stur einzustudieren und aufzuführen. Stattdessen arbeiten die Betreuerinnen mit Improvisationsübungen und lassen viel Input der Kinder zu. Auch bei den Aufführungen gibt es diesen Raum für Improvisation und generell liegt der Fokus der wöchentlichen Treffen vor allem auf dem Spaß der Kinder. Mit dem benachbarten Abenteuerspielplatz gibt es eine Kooperation, sodass manchmal auch einfach dort gespielt wird.

Gut klappt, wenn Jugendverbandsarbeit und Schule sich zusammen einsetzen

Das Konzept kommt nicht nur bei den Kindern gut an: Auch die gegenüberliegende Grundschule unterstützt das Projekt, indem sie Kinder für das Projekt empfiehlt. Das Vertrauen der Eltern in die Schule überträgt sich so auf das Theaterprojekt. 2016 spielte die Gruppe ein Stück in der Turnhalle der Schule – die positive Resonanz der Mitschüler_innen und Lehrer_innen hat das Selbstvertrauen der Kinder enorm gestärkt.
Die Kinder lernen im Projekt auch spielerisch die deutsche Sprache besser kennen. Anstatt jeden Satz auf Fehler zu kontrollieren, bietet das Projekt einen spielerischen Raum, um mit Sprache zu experimentieren.
Auch in der Musik experimentieren Jugendliche mit Sprache. Hip-Hop, insbesondere Rap, bietet hier viele Möglichkeiten und ist deswegen auch bei Geflüchteten aus einer Clearing-Stelle in Bielefeld beliebt. Daraus entstand ein Projekt des Landesjugendwerks der AWO NRW: In Kooperation mit dem Jugendzentrum der SJD - Die Falken NRW wurde ein Ort geschaffen, an dem sie regelmäßig Musik machen können. Hier finden sie auch Unterstützung, um eigene Songs zu schreiben und passende Beats zu finden. Es besteht die Möglichkeit, die eigenen Songs aufzunehmen und auch die gemeinsame Organisation von Konzerten ist geplant. Für die Jugendlichen ist das auch eine willkommene Abwechslung zum normalen Alltag in der Clearing-Stelle, in der sie fast nur Kontakte untereinander und zu ihren Betreuer_innen haben.

Gelingensfaktoren

  • Nähe zur Unterkunft
  • Kooperation mit Schule
  • Freiraum für Kinder und Jugendliche (Verlorene Kindheit/Rap & Hip-Hop)
  • Theaterspiel als Experimentierraum für Sprache   
  • Rap & Hip-Hop als Ausdrucksmittel
  • Möglichkeit der kreativen Entfaltung

Das klappt hier nicht so gut
Auffallend war die Aggressivität einiger Kinder zu Beginn des Projekts “Verlorene Kindheit”, die schnell um sich schlugen und traten. Zunächst mussten daher grundlegende Verhaltensregeln entwickelt und umgesetzt werden. Theaterpädagogin Johanna Niesen erklärt, dass es am Anfang für viele Kinder ungewohnt war, feste Regeln beim Spielen einzuhalten.

Stolpersteine

  • Aggressivität
  • Ungewohnte Strukturen und Regeln für die teilnehmenden Kinder

Jugendverbands-arbeit mit jungen Geflüchteten 2016 - 2017