Arbeitsfelder

Mädchen

© Landesjugendring NRW/ Völkner FOX

Mädchen und junge Frauen sind in der Gruppe der jungen Geflüchteten eine zahlenmäßige Minderheit. Aufgrund der besonderen Rolle in ihren Familien und häufig auch in ihrer Herkunftskultur stellt die Jugendarbeit mit ihnen gleichwohl eine besondere Herausforderung dar.

Worum geht es hier?
In den vielfältigen Projekten ist die Integration von Mädchen und jungen Frauen in die Angebote sehr unterschiedlich gelungen. Junge Mädchen sind häufig gut in Angebote integriert, wenn sie aber in die Pubertät kommen, bleiben sie manchmal plötzlich einfach weg. Dann werden die jungen Frauen häufig für die Kinderbereuung in ihren Familien eingeplant und haben nicht mehr dieselben Freiheiten wie ihre Brüder und gleichaltrigen männlichen Freunde. Irgendwo in diesem Spannungsfeld aus Mädchen und junger Frau, aus unkompliziertem Angebot für Kinder und Treffpunkt für junge Frauen und Männer bewegt sich die Jugendverbandsarbeit mit jungen Geflüchteten im Bereich „Mädchen“. Hier gibt es nun Angebote, die Jungen und Mädchen gleichermaßen ansprechen. Es gibt aber auch gezielte Angebote nur für Mädchen: Bei der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) und der djo-Deutsche Jugend in Europa, Landesverband NRW (djoNRW) zum Beispiel lernen sich Einheimische und geflüchtete Mädchen kennen und verbringen zusammen Zeit.

Was gibt es für Aktionen?
Bei der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG)  in Dortmund gibt es gemeinsame Nachmittage ohne Jungen, mit Spielen, Backen, Kochen, Ausflügen und Übernachtungsaktionen. Die djoNRW bietet im Rahmen des Projektes „Wir  in  Oberbilk“  auch  spezielle  Mädchentage  an, an denen nur Mädchen in das Angebot der Jugendeinrichtung kommen.

Besonders gut klappt hier
Die PSG in Dortmund hat ein Angebot, das auf Mädchen maßgeschneidert ist. Unter dem Titel #Schöndassdudabist verbringen Mädchen ab acht Jahren mit und ohne Fluchterfahrung einmal in der Woche zwei Stunden zusammen. Das Ziel ist, speziell für Mädchen aus Syrien und Afghanistan einen Raum zu schaffen, in dem sie die gleichen Freiheiten haben wie die Jungen in ihrem Alter. Im Kontakt mit den deutschen Mädchen erfahren sie, wie das Leben für Mädchen in Deutschland aussieht.

Damit das klappt, betreibt das Team einen großen Aufwand: Die Mädchen werden zu den Angeboten mit dem Auto oder der Bahn abgeholt und anschließend wieder nach Hause gebracht. Treffpunkt ist der Mädchen- und Frauentreff “Kratzbürste” im örtlichen Jugendzentrum. Der Kontakt entstand über die Erstaufnahmestelle, in der die Mädchen schon zum ersten Angebot kamen. Jetzt sind die Familien an die Stadtränder gezogen, das Jugendzentrum liegt hingegen in der Stadtmitte. Doch die Mädchen sind immer noch da – der Idee mit dem Abholservice sei Dank. Dass sie seit langer Zeit in einer festen Gruppe kommen zeigt, wie sehr sie mit dem Projekt verbunden sind. Dass sie bei einer Übernachtungsaktion in dieser festen Konstellation im Jugendzentrum schlafen durften, zeigt auch das Vertrauen der Eltern in die Organisatorinnen.

Gelingensfaktoren

●     Auf bestehendes Mädchenangebot der Jugendarbeit zurückgreifen
●     Abholservice
●     Enger Kontakt seit Ankunft in der Erstaufnahmestelle
●     Vertrauensverhältnis mit den Eltern

Das klappt hier nicht so gut
Das reine Mädchenangebot  der Pfadfinderinnenschaft St. Georg lief zur gleichen Zeit wie der Sprachunterricht in der Erstaufnahmestelle. Das Mädchenangebot war da plötzlich Konkurrenz, nicht Bereicherung. Darüber hatte vorher keine von ihnen nachgedacht. Als die Mädchen dann wegzogen, wusste kein Mensch, wohin – das musste erst mal recherchiert werden. Die Kommunikation mit der Unterkunft war also häufig problematisch.

Stolpersteine

●     Angebot zeitgleich zu Angebot in der Unterkunft
●     Schwierige Kommunikation mit der Erstaufnahmestelle
●     Umzüge

Jugendverbands-arbeit mit jungen Geflüchteten 2016 - 2017