Arbeitsfelder

Ferienlager und Tagesausflüge

© Landesjugendring NRW Völkner/ FOX

Ferienlager und Ausflüge sind wichtig für die Jugendverbandsarbeit mit jungen Geflüchteten. Kinder und Jugendliche können sich mit mehr Abstand zu ihren aktuellen Schwierigkeiten auf Angebote einlassen und die Arbeit der Verbände kennenlernen. Auch für Beziehungen untereinander und zu den Ehrenamtlichen sind Ausflüge hilfreich. Hier ist Zeit zum Erzählen und um Vertrauen aufzubauen.

Worum geht es hier?
Der Ring deutscher Pfadfinder- und Pfadfinderinnenverbände (rdp-NRW), vor Ort die Evangelische Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenkreis Hattingen-Witten “RatzFatz”, bietet eine Naturexpedition für junge Geflüchtete an. “Statt Flucht – Ankommen in der Natur” heißt die Reise in die Natur, bei der eine intensive Reise zu sich selbst auf dem Programm steht. Das Landesjugendwerk der AWO NRW (LJW NRW) fährt mit Geflüchteten in den Heidepark Soltau.

Was gibt es für Aktionen? 
Das Angebot “Statt Flucht – Ankommen in der Natur” vom rdp-NRW richtet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Die meisten Teilnehmenden kommen gerade aus dem Clearing-Verfahren und aus integrativen Klassen. Auch Nicht-Geflüchtete nutzen das Angebot. Im Mittelpunkt steht ein gemeinsames Zeltlager mit Elementen der Erlebnispädagogik. In der Natur werden Pflanzen und Tierspuren untersucht und die Umgebung erkundet oder bei einem Ausflug mit dem Boot auf dem Rursee gepaddelt. Die Zeit am Abend ist weniger verplant. In Tipis mit 30 - 40 Jugendlichen ist Raum für Gespräche, Grillen, Erzählen und Musik – dafür liegen Gitarren und Schlaginstrumente bereit.

Wichtig ist für Uwe Schulte-Michels, Bildungsreferent beim rdp-NRW vor allem, dass die Teilnehmenden den Abend selbst gestalten können: Das Anleiten am Anfang sei gut um Sicherheit zu geben, am Abend aber nicht mehr nötig. Die wichtigste Botschaft bei den Ausflügen insgesamt sei ohnehin: “Es ist schön hier, hier will ich noch mal alleine hin.”

Das Landesjugendwerk der AWO NRW hat für Geflüchtete aus Clearing-Stellen und Unterkünften in Bielefeld einen Ausflug in den Heidepark Soltau organisiert.

Besonders gut klappt hier
"Statt Flucht – Ankommen in der Natur” ist eine Naturexpedition, die körperlich und mental anspruchsvoll ist. Da können Erwartungen auf einen entspannten Ausflug leicht enttäuscht werden. Deswegen ist gut, dass es Vorgespräche mit den Jugendlichen gibt, die mitkommen möchten. Gut ist auch, dass das Team keine Angst hat, sich auf Neues einzulassen und personell gut aufgestellt ist: Es gibt dort ausgebildete systemische Berater_innen und Pädagog_innen, in der Regel ist auch ein_e Übersetzer_in für Arabisch dabei. Die intensive Einführung mit Kennenlernrunde und Tagesplan geben zu Beginn Orientierung und Struktur, die Freiheit am Abend gibt Platz zur Entfaltung.

Die Umgebung der Natur hat sich als dankbares Setting herausgestellt, in dem die Jugendlichen Ruhe finden, um über sich selbst nachzudenken. In der freien Zeit am Abend gibt es viel Raum, um ins Gespräch zu kommen und Persönliches zu erzählen. Die Jugendlichen sprechen hier auch über ihre Ängste, abgeschoben zu werden und die Sorgen um die Familien in der Heimat. Mehr zum Projekt auch hier: #Natur.

Für die Geflüchteten in Bielefeld war der Ausflug in den Heidepark eine willkommene Abwechslung. Dem Personal in Clearing-Stellen und Unterkünften fehlen die Ressourcen, um solche Ausflüge zu planen und zu betreuen, daher übernahm das Landesjugendwerk der AWO NRW die Organisation.

Gelingensfaktoren:

  • Intensive Vorgespräche
  • Gute Balance von Begleitung und Freiheiten geben
  • Natur als Setting
  • Finanzielle Ressourcen und Zeit
  • Gezieltes Angebot

Das klappt hier nicht so gut
Bevor es die Vorgespräche gab, gab es bei der Naturexpedition "Statt Flucht – Ankommen in der Natur“ Missverständnisse. Die Teilnehmenden dachten, dass es bei dem Zeltlager vor allem um Spaß und Erholung geht – für den Verband war das Ziel, allen Jugendlichen eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst zu ermöglichen. Durch die Vorgespräche konnten diese Missverständnisse aufgelöst werden. Anfangs waren die Ausflüge einen Tag lang, was aber nicht zielführend war. Jetzt dauern die Expeditionen zwei bis fünf Tage.

Stolpersteine

  • Unterschiedliche Erwartungen von Team und Teilnehmenden
  • Zu enge Zeitplanung für intensives Angebot

Zahlen, Fakten:

  • “Statt Flucht – Ankommen in der Natur” vom Ring deutscher Pfadfinder- und Pfadfinderinnenverbände (rdp-NRW) und der Ev. Kinder- und Jugendarbeit „RatzFatz“ in Hattingen-Witten 2016 - 2017: etwa 400 Geflüchtete zwischen 6 und 26 Jahren, bei etwa 25 Betreuenden insgesamt, erreicht (pro Ausflug (2 - 5 Tage) max. 25 Jugendliche und 2 - 4 Teamende). Mehr zum Projekt auch hier: #Natur
  • Ausflug in den Heidepark Soltau vom Landesjugendwerk der AWO NRW: 40 Geflüchtete zwischen 15 und 20 Jahren erreicht

Mehr Projekte

  • Das Landesjugendwerk der AWO NRW bietet die JuLeiCa-Schulung (Ausbildung zum_zur Jugendgruppenleiter_in) auch für Geflüchtete an.
    Mehr hier: #Fort-/Aus-/Weiterbildung Ehrenamtliche
  • Die PSG Dortmund bietet Übernachtungsaktionen nur für Mädchen an.
    Mehr hier: #Mädchen

Jugendverbands-arbeit mit jungen Geflüchteten 2016 - 2017