Arbeitsfelder

Erste Orientierung

© Landesjugendring NRW, JuCom

Jugendverbände haben die Möglichkeit, Angebote zur ersten Orientierung entsprechend ihrer eigenen Expertise zu gestalten, um somit auch für geflüchtete Jugendliche ein Anlaufpunkt zu werden - und so zu ihrer Integration in bestehende Strukturen beizutragen.

Jugendverbände stehen hierbei vor der Herausforderung, dass Jugendverbandsarbeit in anderen Ländern anders aussieht oder schlicht nicht existiert. Sie müssen sich Geflüchteten also zunächst vorstellen.

Worum geht es hier?
Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (AEJ) in Hagen gibt Kindern und Jugendlichen Platz zum Kennenlernen und Spielen. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend NRW (BDKJ NRW ) bietet an sehr vielen Standorten Ausflüge an und hat so allein 2016 etwa 600 geflüchteten und einheimischen jungen Menschen gezeigt, was in ihrer Region zu erleben ist. Die djo-Deutsche Jugend in Europa Landesverband NRW (djoNRW) gestaltet mit Kindern und Jugendlichen aus einer Notunterkunft ihre Freizeit gezielt in ihrem Stadtteil. Unbegleitete minderjährige Geflüchtete richten zusammen mit der DPSG Diözesanverband Essen ihre Unterkunft ein. Die Naturschutzjugend NRW (NAJU NRW) geht in die Natur, um die neue Umgebung zu erkunden. 

Was gibt es für Aktionen?
Die AEJ in Hagen hat 2016 unter dem Titel “Wir in Halden” jeden Tag eine Stunde lang Spiele und Sprachunterricht speziell für geflüchtete Kinder und Jugendliche angeboten. In diesem Jahr gibt es vor allem wöchentliche Ausflüge in den Kletterwald, Fußballturniere und Stadtteilrallyes.
Mit dem BDKJ NRW geht es in den Zoo, ins Museum und auf den Drachenfels, einen Berg im Rheintal. Außerdem gibt es ein Angebot zur Hausaufgabenbetreuung. Die djoNRW kooperiert mit der städtischen Jugendfreizeiteinrichtung V24 und bietet mit “Wir in Oberbilk” niedrigschwellige Angebote wie Kinobesuche und Kochen, aber auch Workshops wie Fotoseminare mit Ausstellungen an.Eine Pfadfinder_innengruppe aus 13- bis 16-Jährigen der DPSG Diözesanverband Essen kauft mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten Möbel und Baumaterial - zusammen richten sie deren Unterkunft ein. Die NAJU NRW macht das Neue anhand der neuen Flora und Fauna zugänglich und bietet gleichzeitig alle Angebote auch für die einheimischen Kinder an. So lernen die Kinder gemeinsam die Honigbiene kennen und wie wichtig sie für den Naturkreislauf und die Ernährung der Menschen ist. Spielerisch entstehen kultureller Austausch und erste Orientierung: Welches Gemüse wächst wann in Deutschland und wie heißt es auf Arabisch?

Besonders gut klappt hier
Die Angebote zur ersten Orientierung klappen deswegen gut, weil die Hürden sehr niedrig sind – die Kinder und Jugendlichen können schnell einsteigen und andere Gleichaltrige kennenlernen. Und auch die Verbände profitieren davon, dass Kinder und Jugendliche ohne große Hürden die Angebote wahrnehmen, den Verband kennenlernen und im Idealfall wiederkommen. Die Integration in die Einrichtung ist auch für das Projekt der djoNRW enorm wichtig. In der Einrichtung leben über 30 Nationalitäten zusammen, auch das Stadtviertel ist sehr durchmischt und Diversität ist hier nichts Neues. Nachdem die Honorarkraft das Vertrauen der Eltern gewonnen hatte, durften auch die Jüngeren an Angeboten außerhalb der Unterkunft teilnehmen. Unter den Teilnehmenden sind viele Mädchen, auch deshalb, weil es speziell an sie gerichtete “Mädchentage” gibt. Der Verband und der städtische Träger der Einrichtung haben schon vor dem Projekt gemeinsam miteinander gearbeitet. Das so entstandene Vertrauen und der enge Kontakt erleichtern die Absprachen.

Beim gemeinsamen Gestalten der Unterkunft fällt auf: Das ist ein Projekt mit Geflüchteten, nicht für Geflüchtete. Es ist praktisch, dass die Unterkunft jetzt eingerichtet ist, aber viel wichtiger sind die neuen Kontakte zwischen Geflüchteten und Nicht-Geflüchteten. Auch aufgrund des ähnlichen Alters können sie sich hier auf Augenhöhe begegnen.
Der Kontakt zwischen Unterkunft und den Pfadfinder_innen dem Diözesanverband Essen (DPSG) kam über den Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) zustande.

Gelingensfaktoren:

  • Langjährige Kooperation zwischen Verband und Stadt
  • Diversität im Stadtteil
  • Engagement der Honorarkräfte
  • Intensive Elternarbeit
  • Kooperation verschiedener Verbände mit unterschiedlichen Stärken

Das klappt hier nicht so gut
Der Umzug von Geflüchteten aus der Unterkunft sorgte beim Angebot der djoNRW für stetigen Umbruch. Auch ist es noch nicht gelungen, dass die Kinder alleine Angebote in der Freizeiteinrichtung V24 wahrnehmen. Es braucht die Begleitung von der Unterkunft zum V24 durch eine Honorarkraft. Darüber hinaus stieß das Angebot zunächst auf Widerstand seitens der Unterkunftsleitung, die zunächst keinen Bedarf an zusätzlichen Angeboten sah. Der Konflikt konnte aber durch klare Absprachen gelöst werden.

Stolpersteine

  • Anstrengende Elternarbeit
  • Abhängigkeit von der Honorarkraft
  • Schwierigkeiten beim Aufbau neuer Kooperationen
  • Kommunikation mit der Unterkunft

Jugendverbands-arbeit mit jungen Geflüchteten 2016 - 2017