Arbeitsfelder

Begegnungs- und Welcomecafés

© Landesjugendring Völkner/FOX

Welcome-Cafés sind Anlaufpunkte für junge Geflüchtete. Eltern lernen dort die Jugendverbände kennen und es entsteht gegenseitiges Vertrauen. Junge Geflüchtete erfahren durch den Kontakt im Café von anderen Angeboten – das erleichtert die Integration in bestehende Strukturen. Die Erfahrungen und der Austausch in Welcome-Cafés ermöglichen Jugendverbänden außerdem, neue, bedarfsgerechte Angebote zu entwickeln. Und schließlich sind Welcome-Cafés auch als politisches Statement wichtig. Sie zeigen: Hier ist ein sicherer Ort für Geflüchtete.

Worum geht es hier?
Die evangelische und die katholische Kirchengemeinde Kreuztal sowie das Landesjugendwerk der AWO OWL organisieren Welcome-Cafés, die djo-Deutsche Jugend in Europa Landesverband NRW (djoNRW) feiert ein Refugees-Welcome-Fest. Ziel ist es, das Miteinander vor Ort zu fördern und den Menschen da Angebote zu machen, wo sie sich auskennen. Vielen Geflüchteten ist Kinder- und Jugendarbeit fremd, gemeinsam Zeit verbringen und Tee trinken hingegen nicht. Über das Welcome-Café werden so auch Eltern angesprochen, die noch keine Berührungspunkte mit den Verbänden hatten.

Was gibt es für Aktionen?
Das “Café International” der Kirchengemeinde Kreuztal ist ein Ort der Erholung, an dem die Besucher_innen immer Ansprechpersonen für ihre aktuellen Probleme finden. Und wenn das nicht reicht, unterstützen die Ehrenamtlichen die Geflüchteten auch konkret – beispielsweise bei Behördengängen oder dem Ausfüllen von Anträgen.

 Das “Café der Kulturen” vom Kreisjugendwerk Minden-Lübbecke (Landesjugendwerk der AWO NRW) ist Anlaufpunkt für Geflüchtete und Nicht- Geflüchtete. Ein zentrales Thema ist hier das Bedürfnis nach Beschäftigung. Deswegen unterstützt das Café Geflüchtete inzwischen auch bei Bewerbungen und bei der Umsetzung eigener Ideen, z.B. bei der Organisation von Konzerten.

In Essen organisieren junge Geflüchtete ein eigenes Bühnenprogramm beim ”Refugees-Welcome-Fest” mit Unterstützung der djoNRW und des Verbandes Kurdistans Studenten und Jugend in Deutschland (KSJD). Mehr als 20 Geflüchtete haben hier gemeinsam ein Programm aus Tanz und Gesang vorbereitet – zum Fest selbst kamen mehr als 200 Besucher_innen.

Besonders gut klappt hier
Das “Café International“ der Kirchengemeinde Kreuztal funktioniert durch die persönliche Zuwendung. “Wir können einfach plaudern, aber im Bedarfsfall auch konkret helfen”, erklärt die Leiterin des Cafés Annette Giesler. Es sei auch wichtig, die Eltern mit einzubeziehen und “da aufzunehmen, wo sie sind – in all ihren Lebenslagen.” Konkret bedeutet das vor allem Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen oder Begleitung zu Behörden.

 Das “Café der Kulturen” vom Kreisjugendwerk Minden-Lübbecke funktioniert als Anlaufpunkt für Geflüchtete, weil regelmäßig die gleichen Leute da sind. So entstehen eine Vertrauensbasis und persönliche Beziehungen. Ehrenamtliche, Geflüchtete und Nicht-Geflüchtete kommen zusammen, trinken Tee, verbringen Zeit miteinander. In diesem Zusammensein fällt es leichter, über die eigenen Bedürfnisse zu sprechen, sodass bedarfsgerechte Angebote gemacht werden können. Dass diese Angebote gut ankommen, zeigt die Resonanz: Viele neue Gäste kommen auf persönliche Empfehlung anderer.

Gelingensfaktoren

  • Vertraute und erfahrene Ansprechpersonen
  • Offener Zugang
  • Vertraute Elemente, z.B. arabischer Tee
  • Raum für individuelle Beratung und Förderung
  • Einbinden der Geflüchteten – Eigenverantwortung, Gestaltungsfreiraum

Das klappt hier nicht so gut
Das Zeitverständnis unterscheidet sich in verschiedenen Gesellschaften. „Der Deutschen Pünktlichkeit ist fünf Minuten vor der Zeit“, heißt ein Sprichwort. Woanders gelten andere Maßstäbe dafür, was als pünktlich gilt. Diese Unterschiede treten in der Arbeit mit Geflüchteten immer wieder auf.
Barbara Schnitzler vom „Café International“ beschreibt eine Möglichkeit, damit umzugehen: “Als wir die Busfahrt gemacht haben – da muss man wirklich eine Woche vorher, ein paar Tage, einen Tag vorher und am besten noch eine Stunde vorher sagen, wann Abfahrt ist.”
Auch die Organisation des ”Refugees-Welcome-Festes” war manchmal etwas holprig. Welche Strukturen müssen eingehalten werden? Welche Behörden sind für welche Genehmigungen zuständig? Und wann muss man deswegen mit der Planung anfangen? Geflüchtete, die mit der deutschen Bürokratie noch wenig Erfahrung haben, stoßen hier auf Probleme, die auch die Einheimische noch vor Herausforderungen stellen.

Stolpersteine

  • Unterschiedliches Zeitverständnis
  • Zuverlässigkeit
  • Absprachen bei der Abrechnung
  • Bürokratie

Jugendverbands-arbeit mit jungen Geflüchteten 2016 - 2017